‘Materialists’ Kritik: Céline Songs zweiter Film hinterfragt Liebe jenseits von Klassengrenzen in einer klugen romantischen Tragikomödie
Modernes Dating: Oberflächlich, leer und hoffnungslos
Heutzutage wirkt modernes Dating oft oberflächlich und ohne echte Tiefe. Besonders in New York City ist Romantik oft nur noch ein Geschäft. Hier zählt der Kapitalismus auch im Liebesleben. Liebe hat einen Preis. Jeder zeigt sein Preisschild offen.
Vom optimistischen Tigger zum pessimistischen Eeyore
Dating kann schnell zur Enttäuschung werden. Ich selbst erlebte das in New York. Nach wochenlangem Austausch flog ich nach Austin, Texas, um eine Frau zu treffen. Vor Ort erfuhr ich, dass sie bereits in einer Beziehung war. Unser Treffen wurde abgesagt. Zurück in New York war ich zynisch und enttäuscht.
„Materialists“: Celine Songs kluge und tiefgründige RomCom
Dann kam „Materialists“ – Celine Songs zweite Regiearbeit nach „Past Lives“. Der Film kam genau zur richtigen Zeit. Er erzählt von einer oberflächlichen Heiratsvermittlerin, die zwischen Herz und Verstand schwankt. Der Film zeigt die Banalität moderner Romantik in Zeiten von Dating-Apps perfekt.
Liebe neu definiert – Celine Songs Meisterwerk
Celine Song gilt als eine der klügsten Stimmen des modernen Liebesfilms. In „Materialists“ hinterfragt sie Liebe jenseits oberflächlicher Kriterien.
MPA-Altersfreigabe: R (wegen Sprache und kurzem sexuellen Inhalts)
Laufzeit: 1 Stunde und 57 Minuten
Produktionsfirmen: 2AM, Killer Films
Verleih: A24
Regie: Celine Song
Drehbuch: Celine Song
Besetzung: Dakota Johnson, Chris Evans, Pedro Pascal, Zoë Winters, Marin Ireland, John Magaro
Kinostart: 13. Juni 2025
In New York City arbeitet Lucy (Dakota Johnson) als erfolgreiche Heiratsvermittlerin bei der Agentur Adore. Sie ist ehrgeizig, unabhängig und hilft Singles, ihre große Liebe zu finden. Doch selbst ist sie noch allein.
Ein Blick, der alles verändert
Auf der Hochzeit eines Kunden sieht Lucy den reichen Investor Harry (Pedro Pascal). Gleichzeitig trifft sie ihren Ex John (Chris Evans) wieder. Er arbeitet dort als Kellner.
Gefangen zwischen Herz und Verstand
Lucy steht vor einer schweren Wahl. Soll sie den wohlhabenden Harry wählen? Oder ihren mittellosen, aber gutherzigen Ex John?
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Celine Song nimmt das düstere moderne Dating scharf und sarkastisch ins Visier
‘Materialists’ – Mehr als nur eine romantische Komödie
Kulturelle Gegensätze und Zeitreisen
Der Film spielt geschickt mit Kulturen und Epochen. Im kunstvoll inszenierten Cold Open macht ein Steinzeitmensch seiner Frau einen Blumenring-Heiratsantrag. Dann schwenkt die Szene abrupt ins urbane New York. Dort zeigt Song humorvoll die Klischees reicher, einsamer Kunden, die perfekte Partner erwarten.
Dakota Johnson brilliert mit trockenem Humor, ohne zu urteilen.
Visuelle Satire: Dating als Börsenhandel
Lucys Job als Heiratsvermittlerin wirkt wie Arbeit an der Wall Street. Sie beschreibt ihren Beruf als Tätigkeit im Leichenschauhaus oder bei der Versicherung. Doch jede Verlobung wird wie ein großer Deal gefeiert – herrlich ironisch und witzig.
Lucys Zweifel und das Liebesdreieck
Als Lucy in ein Liebesdreieck gerät, bröckelt ihre kühle Fassade. Erste Unsicherheiten kommen zum Vorschein. Ihre Sicht auf Liebe wird auf die Probe gestellt.
Dakota Johnson verleiht dem Liebesdreieck in „Materialists“ Wärme und Tiefe
‘Materialists’: Eine Frau zwischen Verstand und Gefühl
Celine Song erzählt erneut von einer Frau, die ihren Sehnsüchten folgt. Lucy steckt im inneren Konflikt zwischen Verstand und Emotion. Ihr analytischer Geist zeigt sich in einem wiederkehrenden mathematischen Motiv, das sie Verehrern erklärt. Gleichzeitig trägt sie viele Unsicherheiten, die im Laufe des Films sichtbar werden.
Dakota Johnson glänzt mit subtiler Darstellung
Dakota Johnson spielt Lucy mit großer Feinfühligkeit. Nach außen wirkt sie souverän und professionell, fast wie eine Krisen-PR. Für sie sind alle Menschen Klienten – außer ihrem Ex John. Bei einer Hochzeit flirtet sie mit dem charmanten Harry (Pedro Pascal). Plötzlich betritt John (Chris Evans) den Raum. Johnsons Körpersprache wird weicher, ihre Stimme sanfter. Diese Szene zeigt ihr großes Talent: Kontrolle und Verletzlichkeit zugleich.
Das vielschichtige Liebesdreieck
Auch die anderen Figuren sind tiefgründig. Pedro Pascal spielt Harry, den idealisierten Traummann. Er spricht Lucys rationale Seite an und verspricht finanzielle Sicherheit. Pascal meistert diese Rolle mit Charme und Leichtigkeit.
Als John präsentiert sich Chris Evans emotionaler und nahbarer denn je
Chris Evans verkörpert John, einen erfolglosen Schauspieler der Millennial-Generation mit altem Auto und wenig Geld. Er bringt eine bisher ungeahnte Verletzlichkeit in die Rolle. Viele Zuschauer erkennen sich darin wieder.
Ein Test für das Publikum
Celine Song stellt das Publikum auf die Probe. Trotz Johns vielen Nachteilen zeigt Evans ihn zutiefst menschlich. John weiß genau, dass er Lucys hohe Ansprüche kaum erfüllen kann – das spiegelt sich in seinem Gesicht wider.
Liebe, die direkt ins Herz trifft
Trotz allem beweist John mit seinen Taten seine unerschütterliche Liebe zu Lucy. Seine Gefühle erreichen das Publikum direkt im Herzen. Diese Rolle ist Evans’ beste Leistung seit „Gifted“ – ehrlich, menschlich und bewegend.
‘Materialists’ erzählt kantiger als „Past Lives“
Die Erzählstruktur von Materialists wirkt etwas holpriger als die von Past Lives. Lucy steckt selbst in einer komplizierten Beziehung. Gleichzeitig sucht sie für ihre schwierige Klientin Sophie (Zoë Winters) den perfekten Partner.
Düsterer Nebenstrang verleiht Tiefe
Sophie’s Geschichte nimmt eine düstere Wendung. Das stellt Lucys Menschlichkeit außerhalb ihres Jobs auf die Probe. Obwohl das Thema sexueller Übergriffe realistisch behandelt wird, fühlt sich der Zeitpunkt der Einführung etwas ungünstig für das Tempo an. Zoë Winters überzeugt mit einer bewegenden Darstellung einer Frau, die einfach nur Liebe sucht.
Visuelle Poesie: New York durch Kirchners Linse
Das Team hinter Past Lives – Cutter Keith Fraase und Kameramann Shabier Kirchner – sorgt auch hier für lyrische Tiefe. Rückblenden zu Lucys und Johns gescheiterter Beziehung schaffen eine emotionale Montage. Kirchner fängt die Schönheit und Schwere New Yorks auf natürliche Weise ein. Sein Blick auf die Stadt erinnert an Zeiten von Nora Ephron.
Celine Songs unverwechselbare Stimme
Celine Song erzählt Geschichten von Menschen, die ihrem Herzen folgen. Ihre Figuren sind komplex und vielschichtig. Mit leiser, aber kraftvoller Ehrlichkeit berührt sie tief. Materialists gab mir neue Hoffnung und zeigte, dass wahre Gefühle nicht unterdrückt werden sollten – selbst in der wohl romantischsten Stadt der Welt.
SCHLUSSERKLÄRUNG
‘Materialists’ ist ein berührendes Porträt der Liebe und unserer Fähigkeit, sie jenseits klassistischer Grenzen auch in den dunkelsten Zeiten zu finden. Und genau das brauchen wir gerade jetzt.