‘Freakier Friday’-Kritik: Disneys Fortsetzung ist vorhersehbar behält aber den rockigen Charme des Originals
Disney hat eine unstillbare Obsession, unsere Geldbörsen mit Nostalgie auszumelken. Jetzt, da ihnen langsam die Zeichentrickfilme ausgehen, die sie verhunzen können, wenden sie sich den Fortsetzungen unserer Kindheitsklassiker zu.
Wenn du wie ich um die Jahrtausendwende geboren wurdest, ist die Chance groß, dass du die Version von 2003 mit Lindsay Lohan und Jamie Lee Curtis als die ultimative Adaption von Mary Rodgers’ Romanklassiker ansiehst. Für viele gilt dieser Film als unangefochtener Favorit.
Nun ist es Zeit, Millennials und Gen Z, die sich nach der Vinyl-Ausgabe des Originalfilms bei Urban Outfitters sehnen, daran zu erinnern: Wir sind mittlerweile im „Cryptkeeper“-Alter angekommen. Und was bekommen wir? Eine unnötige Fortsetzung – ‘Freakier Friday’.
Trotzdem gelingt es dem Film, Geist und Herz des Originals wieder einzufangen. Diese doppelte Körpertausch-Komödie verlässt sich jedoch zu sehr auf die alte Formel. Doch dort, wo es zählt, ist Herz vorhanden – und genau das rettet den Film für Fans.
MPA-Freigabe: PG (thematische Elemente, derbe Komik, Sprache und einige anzügliche Anspielungen)
Laufzeit: 1 Stunde und 51 Minuten
Produktionsfirmen: Walt Disney Pictures, Gunn Films, Burr! Productions
Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures
Regie: Nisha Ganatra
Drehbuch: Jordan Weiss
Besetzung: Jamie Lee Curtis, Lindsay Lohan, Julia Butters, Sophia Hammons, Manny Jacinto, Mark Harmon
Kinostart: 1. August 2025
Im Jahr 2025 ist Anna (Lindsay Lohan) eine vielbeschäftigte Musikproduzentin und alleinerziehende Mutter ihrer burschikosen Teenager-Tochter Harper (Julia Butters). Gemeinsam mit ihrer Mutter Tess (Jamie Lee Curtis), einer Psychiaterin in ihrer „Podcaster-Ära“, teilt sie sich die Erziehung.
Nach einem Vorfall zwischen Harper und der neuen britischen Austauschschülerin Lily (Sophia Hammons) werden Anna und Lilys alleinerziehender Vater Eric (Manny Jacinto mit stark gespieltem britischem Akzent) ins Büro der Schulleiterin (X Mayo) gerufen. Zwischen Anna und Eric sprühen sofort die Funken. Ganz im Stil typischer Filmromanzen (oder Disney-Figuren) ziehen sie in Rekordzeit zusammen und verloben sich – innerhalb von sechs Monaten –, sehr zum Missfallen von Lily und Harper.
Auf Annas Junggesellinnenabschied begegnen Anna, Tess, Harper und Lily einem skurrilen Medium (Vanessa Bayer). Während einer Sitzung kommt es zu einem erneuten Körpertausch. Am nächsten Morgen erwachen Harper und Lily in den Körpern von Anna und Tess – und umgekehrt.
Die Teenager schmieden einen Plan: Sie wollen Annas Beziehung zu Eric sabotieren, damit Lily und Harper keine Schwestern werden müssen.
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Lindsays Comeback ist allein schon den Ticketpreis wert
Einer der größten Pluspunkte von Freakier Friday ist die Rückkehr von Lindsay Lohan auf die Kinoleinwand. Sie zeigt nicht nur wieder ihr komödiantisches Talent, sondern beweist auch ihre Gesangskunst und emotionale Bandbreite.
An manchen Stellen fühlt sich der Film wie eine Feier ihrer frühen Laufbahn an – nicht zuletzt dank des Cameo-Auftritts von Elaine Hendrix und der Wahl des Hochzeitsdatums von Eric und Anna auf den 3. Oktober. Wir werden daran erinnert, warum wir Lohan einst geliebt haben. Vergesst Brad Pitt – das ist die Comeback-Performance des Jahres.
Wie ihre besondere Chemie mit Jamie Lee Curtis beweist, sind Lohans Charme und ihr komödiantisches Können zeitlos geblieben. Ihr Auftritt in der ‘Jake verführen’-Szene war so anmutig und furchtlos, dass er mich fast zu Tränen rührte – mit dem Gedanken: ‘Mann, sie hat es immer noch drauf.’
Wenn überhaupt, hoffe ich, dass dieser Film den Weg ebnet, damit sie in echten, originellen Kinoproduktionen mitspielt, die ihrem Talent in diesem Alter gerecht werden. Sie hätte eine ‘Brendan-Fraser-Behandlung’ verdient: ‘Hollywood hat dich schlecht behandelt – und jetzt bekommst du deine Blumen. Wir haben dich vermisst! Es tut uns leid.’
‘Freakier Friday’ trifft stellenweise genau den richtigen Nostalgie-Ton
In allen entscheidenden Bereichen bewahrt Drehbuchautorin Jordan Weiss (Dollface, Harley Quinn) die nötige Schärfe, während sie die veralteten Ansichten des Originals zeitgemäß weiterentwickelt. Besonders erfrischend: Der anzügliche Humor bekommt hier einen weiblichen Blickwinkel, mit reifen Gags, bei denen ich mich oft fragte: ‘Moment, das ist Disney?! Im Jahr 2025?!’
Regisseurin Nisha Ganatra und Weiss wissen, dass ihr Publikum den Film mit jüngeren Zuschauern sehen wird – und sprechen beide Zielgruppen an. Der Film bietet etwas für alle und bringt Elemente zurück, die man im Kino fast vergessen hat. Ein Beispiel: Der Abspann enthält eine Pannen- und Outtakes-Sequenz – etwas, das es heute nur noch selten gibt.
Der Film greift manche Kritikpunkte bewusst auf und verwandelt sie in humorvolle Momente. Ein wiederkehrender Gag, der mich wirklich zum Lachen brachte: Annas Highschool-Exfreund Jake (Chad Michael Murray) ist völlig vernarrt in Tess – als wäre ‘Stacy’s Mom‘ seine Autobiografie. Was früher ein merkwürdiger Handlungsfaden war, wird nun urkomisch – nicht zuletzt, weil Murray den Witz selbstironisch mitträgt. Das ist Nostalgie, die funktioniert.
Es dauert eine Weile, bis der Spaß beginnt. Der schmerzhafte erste Akt von Freakier Friday verlässt sich zu sehr auf aktuelle Buzzwords und Dialoge auf Autopilot, was den Eindruck einer lieblosen Cash-Grab-Fortsetzung erweckt. Außerdem lässt die Verwendung der Arri Alexa 35 Kamera den Film wie eine typische Disney+ Produktion wirken.
Erst wenn der Körpertausch einsetzt und die zukünftigen Stiefschwestern ihre Routinen an den jeweiligen Schauplätzen in Santa Monica absolvieren, gewinnt das Drehbuch von Jordan Weiss endlich an Fahrt.
Mehr in Anlehnung an Weiss’ vorherigen Comedy-Film ‘Sweethearts’ als stur dem Original zu folgen, besteht der zweite Akt aus immer lustigeren Szenen. Viele dieser Momente bieten Raum für witzige Cameos, die mit Lindsay Lohan und Jamie Lee Curtis spielen dürfen. Besonders stiehlt Vanessa Bayer als schrulliges Medium mit ihrem Auftritt die Show.
‘Freakier Friday’ vernachlässigt oft das Potenzial seiner Körpertausch-Erzählung zugunsten von Nostalgie und zielloser Komik. Während Harper und Lily im Mittelpunkt stehen, bleiben Anna und Tess praktisch unsichtbar.
Der Film baut einen Konflikt um die Co-Elternschaft von Tess und Anna auf, besonders als Anna nach der Hochzeit darüber nachdenkt, mit der Familie nach London zu ziehen. Harper ist dagegen, und Tess bietet an, bei ihr zu wohnen – ohne dass Anna davon weiß. Doch sobald der Körpertausch passiert, geraten die Mutter-Tochter-Handlungsstränge in den Hintergrund.
Auch die Witze setzen meist auf ihre Begeisterung für schnellen Stoffwechsel und funktionierende Gelenke – eine Erinnerung daran, dass wir alle inzwischen ‘Cryptkeeper’ sind! Trotz der erkennbaren komödiantischen Fähigkeiten der Darsteller verliert der Film die ursprüngliche Tiefe der Charaktere, mit denen wir uns verbunden fühlten.
Besonders schade ist das, weil Julia Butters (Once Upon a Time in Hollywood) in jeder Szene eine großartige Imitation von Lohan und ihren Anna-Manierismen liefert. Ihre Co-Darstellerin Sophia Hammons zeigt sowohl vor als auch nach dem Körpertausch eine ordentliche schauspielerische Bandbreite.
SCHLUSSERKLÄRUNG
Das formelhaft gestrickte ‘Freakier Friday’ vernachlässigt seine Hauptfiguren, fängt aber auf leichte Weise den Charme des Originals ein – von der Schärfe bis zur zeitlosen Dynamik zwischen Jamie Lee Curtis und Lindsay Lohan. Diese Körpertausch-Fortsetzung ist solider Familienspaß.